ETFSteuernGeldanlage

Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF passt zu dir?

person Axiomly Team
•
calendar_today 27. September 2026
•
schedule 3 Min. Lesezeit

bolt Die wichtigsten Punkte

  • check Ausschüttende ETFs zahlen Erträge regelmäßig aufs Verrechnungskonto aus, thesaurierende legen sie automatisch wieder an
  • check Die Wertentwicklung (Performance) beider Varianten ist bei gleichem Index identisch – nur die Auszahlung unterscheidet sich
  • check Seit der Investmentsteuerreform 2018 werden beide Varianten weitgehend steuerlich gleichgestellt
  • check Bei thesaurierenden ETFs greift die sogenannte Vorabpauschale, eine jährliche Mindestbesteuerung auch ohne Verkauf
  • check Der Sparerpauschbetrag liegt seit 2023 bei 1.000 Euro für Einzelveranlagte bzw. 2.000 Euro für gemeinsam Veranlagte

Zwei ETFs auf denselben Index, identische Wertentwicklung – und trotzdem taucht bei der Fondssuche immer wieder die Frage auf: thesaurierend oder ausschüttend? Der Unterschied klingt technisch, ist aber in wenigen Minuten verständlich.

Der Unterschied in einem Satz

Ausschüttende ETFs zahlen die Erträge des Fonds – meist Dividenden der enthaltenen Unternehmen – in regelmäßigen Abständen, oft quartalsweise, auf dein Verrechnungskonto aus. Thesaurierende ETFs tun das nicht: Sie legen die erwirtschafteten Erträge automatisch wieder im Fonds an, sodass der Wert deines Anteils entsprechend steigt.

Wichtig zu verstehen: Die reine Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index ist bei beiden Varianten identisch. Der Unterschied liegt nicht in der Rendite, sondern darin, wer die Reinvestition übernimmt – du selbst (bei der ausschüttenden Variante, indem du die Auszahlung manuell wieder anlegst) oder der ETF automatisch (bei der thesaurierenden Variante).

Wie wurde das früher besteuert – und was hat sich geändert?

Vor 2018 gab es einen spürbaren Unterschied: Thesaurierende ausländische Fonds konnten Erträge im Fonds behalten, ohne dass diese in Deutschland sofort steuerlich erfasst wurden – ein Vorteil, der teils als Steuerschlupfloch kritisiert wurde. Mit der Investmentsteuerreform, die seit Anfang 2018 gilt, wurde das beseitigt: Beide ETF-Varianten werden seither weitgehend steuerlich gleichgestellt.

Damit du bei thesaurierenden Fonds trotzdem nicht jahrzehntelang steuerfrei Vermögen aufbaust, wurde die Vorabpauschale eingeführt.

Was die Vorabpauschale bedeutet

Die Vorabpauschale ist eine jährliche Mindestbesteuerung für thesaurierende (und teil-thesaurierende) Fonds. Die Berechnung basiert auf einem sogenannten Basiszins, den die Deutsche Bundesbank jedes Jahr neu ermittelt und das Bundesfinanzministerium veröffentlicht. Vereinfacht gilt: Der Wert deines Fondsanteils zu Jahresbeginn wird mit diesem Basiszins und einem gesetzlich festgelegten Abschlagsfaktor von 70 Prozent multipliziert. Das Ergebnis ist der maximale Betrag, der als Vorabpauschale versteuert werden kann.

Zwei Sicherheiten gibt es dabei: Die Vorabpauschale kann nie höher ausfallen als die tatsächliche Wertsteigerung deines ETFs im jeweiligen Jahr. Und hat dein ETF im betreffenden Jahr an Wert verloren, fällt gar keine Vorabpauschale an. Die Steuer wird von deinem Broker automatisch berechnet und zu Jahresbeginn des Folgejahres von deinem Verrechnungskonto abgebucht – du musst selbst nichts berechnen oder veranlassen.

Der Sparerpauschbetrag: dein jährlicher Steuerfreibetrag

Unabhängig davon, ob ausschüttend oder thesaurierend, greift für Kapitalerträge in Deutschland zunächst der Sparerpauschbetrag. Er liegt seit 2023 unverändert bei 1.000 Euro pro Jahr für Einzelveranlagte beziehungsweise 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Paare. Erst wenn deine gesamten Kapitalerträge – Dividenden, Zinsen, Kursgewinne und Vorabpauschale zusammengerechnet – diesen Betrag übersteigen, wird die Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag (und gegebenenfalls Kirchensteuer) fällig.

Um den Freibetrag automatisch nutzen zu können, richtest du bei deiner Bank oder deinem Broker einen Freistellungsauftrag ein. Ohne ihn zieht dein Broker die Steuer zunächst in voller Höhe ab, auch wenn deine Erträge unter dem Freibetrag liegen – du müsstest sie dir dann über die Steuererklärung zurückholen.

Welche Variante passt zu welchem Ziel?

Wer langfristig Vermögen aufbaut und keinen laufenden Kapitalertrag benötigt, fährt mit einem thesaurierenden ETF meist bequemer: Die Reinvestition läuft automatisch, ohne dass du selbst aktiv werden musst, und der Zinseszinseffekt wirkt ungebremst weiter.

Wer dagegen Wert auf regelmäßige, greifbare Auszahlungen legt – etwa als ergänzendes Einkommen – ist mit einem ausschüttenden ETF besser bedient, auch wenn das steuerlich heute keinen strukturellen Vorteil mehr gegenüber der thesaurierenden Variante bringt.

Eine "richtige" Antwort gibt es nicht – nur die Frage, welches Verhalten besser zu deinem persönlichen Anlageziel passt.

Die Entscheidung für die richtige Variante ersetzt kein Risikomanagement

Ob thesaurierend oder ausschüttend ändert nichts daran, wie viel Kapital du in eine einzelne Position investieren solltest. Mit dem Positionsgrößen-Rechner von Axiomly berechnest du unabhängig von der gewählten ETF-Variante, wie groß dein nächster Sparplan-Kauf im Verhältnis zu deinem Gesamtdepot und deinem persönlichen Risikobudget sein sollte.

help_outline Häufig gestellte Fragen