Ein ETF kann die Wertentwicklung eines Index auf zwei Wegen nachbilden: Er kauft die Aktien wirklich (physische Replikation) oder er schließt ein Tauschgeschäft ab (synthetische Replikation). Der Unterschied wirkt klein, bestimmt aber, was im Fonds liegt und welches Risiko zusätzlich anfällt.
Physische Replikation: der ETF hält, was der Index enthält
Bei der physischen Replikation kauft der ETF die Aktien, aus denen der Index besteht, und hält sie im Fondsvermögen. Steigt eine Aktie im Index, steigt automatisch auch ihr Anteil im ETF-Portfolio. Der ETF besitzt, was er abbildet.
Es gibt zwei Varianten. Bei der vollen Replikation kauft der ETF jede einzelne Aktie des Index in exakt der vorgegebenen Gewichtung. Das funktioniert bei überschaubarer Aktienzahl, etwa beim DAX mit seinen 40 Werten.
Beim optimierten Sampling kauft der ETF nur eine repräsentative Auswahl der wichtigsten und liquidesten Titel. Das betrifft sehr breite Indizes mit hunderten oder tausenden Positionen, der MSCI World enthält zum Beispiel mehrere tausend Aktien. Jede Kleinstposition zu kaufen würde unverhältnismäßig hohe Handelskosten verursachen, ohne die Nachbildungsgenauigkeit spürbar zu verbessern. Ziel ist eine Wertentwicklung, die der des vollständigen Index sehr nahekommt, bei möglichst geringem Aufwand.
Synthetische Replikation: der Swap liefert die Indexrendite
Bei der synthetischen (auch swap-basierten) Replikation kauft der ETF die Indexaktien nicht direkt. Die Fondsgesellschaft schließt stattdessen mit einem Finanzpartner, meist einer Bank, ein Tauschgeschäft ab, einen sogenannten Swap. Der Partner garantiert dem ETF die exakte Wertentwicklung des Index. Im Gegenzug hält der ETF ein eigenes Wertpapierportfolio, das nicht zwingend mit den Indexaktien übereinstimmt, aber breit gestreut und liquide sein muss.
Der Wert des Swaps wird laufend angepasst, sodass Wertpapierportfolio und Swap zusammen exakt die Indexentwicklung nachbilden. Nach den europäischen UCITS-Regeln darf das Kontrahentenrisiko gegenüber dem Swap-Partner höchstens 10 Prozent des Fondsvermögens betragen, wenn der Partner ein Kreditinstitut ist, sonst 5 Prozent. Die Grenze gilt für das Risiko nach Abzug erhaltener Sicherheiten, nicht für den Wert des Swaps selbst. Den größten Teil des Fondsvermögens bildet das Wertpapierportfolio, das der ETF selbst hält.
Ist synthetische Replikation riskanter?
Synthetische ETFs tragen ein zusätzliches Risiko: das Kontrahentenrisiko. Wird der Swap-Partner zahlungsunfähig, muss im schlimmsten Fall geklärt werden, wie die Differenz ausgeglichen wird. Die gesetzliche Obergrenze begrenzt dieses Risiko, und die Swap-Partner sind in der Praxis meist große, international tätige Banken.
Auch physisch replizierende ETFs sind nicht automatisch risikofrei. Viele verleihen einen Teil ihrer Aktien gegen Gebühr an Dritte (Wertpapierleihe). Das ist ein eigenes, meist besichertes Risiko, das dem Kontrahentenrisiko bei Swaps strukturell ähnelt.
Bei UCITS-ETFs verwahrt unabhängig von der Methode eine Verwahrstelle das Fondsvermögen getrennt vom eigenen Vermögen der Fondsgesellschaft. Vor dem Kontrahentenrisiko eines Swaps schützt das nicht.
Wie viel die Wahl der Methode ausmacht
Bei bekannten, breit gestreuten Indizes spielt die Replikationsmethode für die meisten Privatanleger eine untergeordnete Rolle. Beide Ansätze haben sich in der Praxis bewährt und werden von großen, etablierten Fondsgesellschaften eingesetzt. Wer maximale Einfachheit und Nachvollziehbarkeit bevorzugt, entscheidet sich häufig für die physische Replikation.
Ob eine Methode günstiger ist, hängt vom einzelnen Produkt ab. Gesamtkostenquote und Abweichung vom Index stehen im Factsheet. Wichtiger als die technische Nachbildung ist für die meisten Anleger, dass der ETF nach den strengen UCITS-Richtlinien aufgelegt ist.
Die Replikationsmethode ändert nichts an deiner Positionsgröße
Beide Methoden bilden dieselbe Indexentwicklung ab. Unterschiedlich sind nur die Nebenrisiken: das Kontrahentenrisiko beim Swap, die Wertpapierleihe bei vielen physischen ETFs. Wie groß eine einzelne Position in deinem Depot sein sollte, beantwortet die Methode nicht. Das rechnest du mit dem kostenlosen Positionsgrößen-Rechner von Axiomly aus, unabhängig davon, wie dein ETF seinen Index nachbildet.