"Einfach in die ganze Welt investieren" heißt in der Praxis meist: einen ETF auf den MSCI World kaufen. Der Name verspricht mehr, als der Index hält. Über 70 Prozent davon sind US-Aktien, und genau diese Entscheidung kaufst du mit.
Was der MSCI World abbildet
Der MSCI World bildet die Aktienmärkte von 23 Industrieländern ab, aktuell rund 1.300 Unternehmen. Das klingt nach globaler Streuung, stimmt aber nur teilweise. Das Wort "Industrieländer" ist der Haken: Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien oder Russland sind im MSCI World schlicht nicht enthalten. Für sie gibt es einen eigenen Index, den MSCI Emerging Markets.
Wer die gesamte investierbare Weltwirtschaft abbilden möchte, kombiniert häufig einen MSCI-World-ETF mit einem ETF auf Schwellenländer. Eine Alternative ist ein ETF auf den MSCI All Country World Index (ACWI), der beide Kategorien bereits vereint.
Warum US-Aktien so dominant sind
Am meisten fällt der US-Anteil auf: Er liegt inzwischen bei über 70 Prozent des gesamten Index. Kaufkraftbereinigt ist der Anteil der USA an der globalen Wirtschaftsleistung deutlich niedriger.
Das liegt an der Methodik. MSCI gewichtet die Aktien im Index nach ihrer Marktkapitalisierung, also dem Börsenwert der Unternehmen. Die Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes zählt dabei nicht. Die USA haben mit Abstand den größten und liquidesten Aktienmarkt der Welt. Große US-Technologieunternehmen haben in den vergangenen Jahren zusätzlich stark an Börsenwert gewonnen, das hat den US-Anteil weiter erhöht.
In der Praxis ist ein ETF auf den MSCI World damit trotz seines Namens vor allem eine Wette auf den US-Aktienmarkt, ergänzt um eine kleinere Beimischung aus Europa, Japan und anderen Industrieländern.
Ist die US-Dominanz ein Problem?
Ob die US-Dominanz ein Problem ist, hängt von deiner eigenen Risikoeinschätzung ab. Eine pauschal richtige Antwort gibt es nicht.
Das Argument dagegen: Eine so hohe Konzentration auf ein einzelnes Land widerspricht dem Gedanken der Diversifikation. Läuft der US-Markt über einen längeren Zeitraum schlecht, trifft das das gesamte Portfolio überproportional.
Das Argument dafür: Die USA sind groß gewichtet, weil dort viele der wirtschaftlich stärksten und liquidesten Unternehmen der Welt sitzen. Wer die Marktkapitalisierung als Signal für Unternehmensqualität ansieht, hält die hohe Gewichtung für eine sachliche Abbildung der Marktverhältnisse und für keine Verzerrung.
Was du konkret tun kannst
Wenn dir die US-Konzentration zu hoch ist, kannst du die Ländergewichtung in deinem Depot auf mehreren Wegen selbst steuern:
- Einen ETF auf Europa beimischen (z.B. Stoxx Europe 600), um den Europa-Anteil gezielt zu erhöhen
- Einen ETF auf Schwellenländer beimischen, um Länder wie China und Indien überhaupt ins Depot zu holen
- Einen sogenannten "BIP-gewichteten" Welt-ETF wählen, der Länder nach Wirtschaftsleistung statt nach Marktkapitalisierung gewichtet. Er ist deutlich seltener, aber es gibt ihn
Eine "richtige" Ländergewichtung gibt es nicht. Wichtig ist, dass du sie bewusst wählst. Wer einen MSCI-World-ETF kauft, sollte zumindest wissen, dass er damit vor allem in die USA investiert.
Zusammensetzung verstehen, Risiko steuern
Die Ländergewichtung gibt der Index vor, die Größe deiner Position bestimmst du selbst. Sie ist mindestens so wichtig wie die Indexwahl. Mit dem kostenlosen Positionsgrößen-Rechner von Axiomly siehst du auf einen Blick, wie viel eine ETF-Position bei deinem persönlichen Risikobudget ausmachen sollte.