ETFRisikoMarktrisiko

ETFs im Crash: Riskanter als Einzelaktien?

person Axiomly Team
•
calendar_today 11. Oktober 2026
•
schedule 3 Min. Lesezeit

bolt Die wichtigsten Punkte

  • check Das größte Risiko bei ETFs ist wie bei Aktien das allgemeine Marktrisiko. Die ETF-Struktur selbst spielt eine kleinere Rolle.
  • check Kritiker befürchten, dass die Marktmacht von ETFs Abwärtsbewegungen verstärken könnte. Belegt ist das nicht abschließend.
  • check Dein Kapital in ETFs gilt als Sondervermögen und ist bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt. Kursverluste deckt das nicht ab.
  • check Gegen Krisen schützt langfristige Anleger meist am besten, in der Krise nicht zu verkaufen.

Das größte Risiko von ETFs im Crash ist dasselbe wie bei Einzelaktien: der fallende Markt. Manche Marktbeobachter warnen trotzdem, ETFs könnten in einer Krise gefährlicher sein als Einzelanlagen. In den letzten Jahren sind ETFs für viele Privatanleger zur bevorzugten Anlageform geworden, und mit dem Erfolg kam diese Kritik.

Das größte ETF-Risiko im Crash ist der Markt selbst

Ein ETF trägt dasselbe Risiko wie die Aktien, die er abbildet. Fällt der zugrunde liegende Index, fällt auch der ETF, egal ob du die Einzelaktien direkt gehalten hättest oder in einen aktiv gemanagten Fonds investiert wärst.

Dieses allgemeine Marktrisiko lässt sich durch die Wahl des Anlagevehikels nicht wegdiversifizieren. Abmildern lässt es sich nur, indem du auf verschiedene Anlageklassen streust.

Verstärken ETFs Abwärtsbewegungen? Vorwurf und Vernetzungssorge

Ob ETFs Abwärtsbewegungen verstärken, ist unter Marktbeobachtern umstritten, und eindeutige Belege dafür oder dagegen gibt es bislang nicht. Kritiker der wachsenden Marktmacht von ETFs sorgen sich um Folgendes: Ein Ausverkauf, der bereits läuft, könnte sich verstärken, wenn den Verkäufern von ETF-Anteilen nicht genug Käufer gegenüberstehen. In einer panikartigen Verkaufswelle könnten ETFs dann theoretisch zum Nadelöhr werden und den Trend verstärken, im Abschwung also den Abwärtstrend.

Dieses Risiko gibt es allerdings nicht nur bei ETFs. Die gleiche Dynamik gilt grundsätzlich für Einzelaktien und aktiv gemanagte Fonds: Wollen in einer echten Krise viele gleichzeitig verkaufen, müssen möglicherweise auch dort unangemessen niedrige Kurse akzeptiert werden.

Ein verwandter Kritikpunkt betrifft die Vernetzung der Finanzbranche durch ETFs, den Einsatz von Derivaten wie Swaps und die verbreitete Wertpapierleihe. Die Befürchtung: Bei sehr enger Vernetzung könnten sich Probleme einzelner Marktteilnehmer in einer Krise schneller auf das ganze System ausbreiten. Wie hoch dieses Risiko wirklich ist, lässt sich schwer sagen. Auch dazu gibt es keine abschließenden Belege.

Was dein Kapital bei einer Insolvenz schützt

Das in ETFs angelegte Vermögen ist gesetzlich als Sondervermögen geschützt, unabhängig vom Marktrisiko. Fondsgesellschaften müssen Kundengelder bilanztechnisch getrennt vom eigenen Unternehmensvermögen verwahren, meist bei separaten Depotbanken. Wird die Fondsgesellschaft insolvent, bleibt dein Fondsvermögen unberührt und wird an dich zurückgezahlt oder übertragen. Die Trennung gilt bei physisch wie bei synthetisch replizierenden ETFs.

Dieser Schutz greift bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft, nicht bei Kursverlusten durch die normale Marktentwicklung. Das sind zwei verschiedene Risikoarten.

Die Trennung beseitigt allerdings nicht jedes Gegenparteirisiko. Synthetisch replizierende ETFs bilden den Index über einen Swap mit einem Vertragspartner ab, meist einer Bank. Fällt dieser aus, kann der ETF Verluste erleiden. Die UCITS-Regeln begrenzen dieses Risiko auf höchstens 10 Prozent des Fondsvermögens (bei Kreditinstituten als Vertragspartner) und sehen Sicherheiten vor, ausschließen lässt es sich dadurch nicht.

Auch bei physisch replizierenden ETFs, die Wertpapiere verleihen, bleibt ein Restrisiko: Fällt der Entleiher aus und sind die hinterlegten Sicherheiten weniger wert als die verliehenen Wertpapiere, kann ein Verlust entstehen.

Was langfristige Anleger daraus mitnehmen können

Wer sein Depot möglichst krisenfest aufstellen will, kann sich an wenigen Grundsätzen orientieren: bekannte, breite und liquide Indizes statt komplexer Nischenprodukte, die Anlage auf mehrere Fondsanbieter verteilen und in einer echten Kurskrise nicht in Panik verkaufen.

Ein Kursrückgang wird erst durch den Verkauf zum realisierten Verlust. Historisch hat sich antizyklisches Verhalten, also nicht zu verkaufen, wenn alle verkaufen, für langfristige Anleger meist ausgezahlt. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.

Die Positionsgröße vor der Krise festlegen

Kein ETF nimmt dir das Marktrisiko ab. Die Stellschraube, die du selbst bestimmst, ist die Größe deiner Position. Wähle von Anfang an eine, bei der du auch einen deutlichen Kursrückgang aushältst, ohne in Panik zu geraten.

Mit dem kostenlosen Positionsgrößen-Rechner von Axiomly rechnest du das im Voraus für jede deiner Positionen durch.

help_outline Häufig gestellte Fragen

Verstärken ETFs Börsencrashs tatsächlich?

Unter Experten ist das umstritten und nicht abschließend belegt. Kritiker befürchten, dass ETFs bei panikartigen Verkaufswellen zum Nadelöhr werden könnten, wenn zu wenige Käufer den Verkäufern gegenüberstehen. Befürworter halten dagegen, dass dasselbe Grundrisiko auch für Einzelaktien und aktiv gemanagte Fonds gilt und ETFs strukturell nicht anfälliger sind. Eindeutige Belege für die eine oder die andere Seite gibt es bislang nicht.

Ist mein Geld bei einem ETF-Crash weg?

Ein Kursrückgang bedeutet einen Wertverlust, der aber nicht realisiert ist, solange du nicht verkaufst. Dein investiertes Kapital bleibt unabhängig vom Kursverlauf als Sondervermögen geschützt. Das sichert dich gegen eine Insolvenz der Fondsgesellschaft ab, nicht gegen Kursschwankungen am Markt.

Sollte ich in einer Krise verkaufen?

Für langfristig orientierte Anleger spricht historisch mehr dafür, in einer Krise investiert zu bleiben, als panisch zu verkaufen. Ein Verkauf zu gefallenen Kursen macht den Verlust endgültig und verpasst häufig die anschließende Erholung. Das ist keine Anlageempfehlung für deine Situation, sondern beschreibt ein historisch beobachtetes Muster.