"Die Dividende ist der neue Zins": Der Spruch verspricht regelmäßiges Einkommen ohne das übliche Aktienrisiko. Tatsächlich zahlt das Unternehmen dir einen Teil seines eigenen Werts aus, und das verändert, wie du Dividendenaktien und Dividenden-ETFs einordnen solltest.
Die Dividende ist nicht der neue Zins: Der Kurs sinkt um den Betrag
Ein Zins lässt dein eingesetztes Kapital unberührt, eine Dividende nicht. Legst du Geld zu einem festen Zinssatz an, bekommst du den Zins zusätzlich zu deinem ursprünglichen Kapital.
Bei einer Dividende läuft es anders. Schüttet ein Unternehmen einen Teil seines Gewinns aus, folgt in der Regel der Dividendenabschlag: Der Aktienkurs sinkt am Ex-Dividenden-Tag, der vor dem Zahltag liegt, um etwa den ausgezahlten Betrag. Das ist keine willkürliche Marktreaktion. Das Unternehmen hat Kapital als Bargeld ausgezahlt, also ist sein verbleibender Wert entsprechend kleiner.
Vor Steuern und Kosten ändert die Ausschüttung dein Gesamtvermögen deshalb nicht. Du bekommst Bargeld auf dein Konto und verlierst ungefähr genauso viel Kurswert deiner Aktie. Für deine Gesamtrendite, den Total Return aus Kursentwicklung und Ausschüttungen zusammen, spielt es vor Steuern und Kosten kaum eine Rolle, ob ein Unternehmen den Gewinn auszahlt oder im Unternehmen behält und damit womöglich den Kurs steigen lässt.
Nach Steuern sieht das anders aus: Eine Dividende wird in vielen Ländern, auch in Deutschland, bei der Auszahlung besteuert, ein noch nicht realisierter Kursgewinn erst beim Verkauf. Je nach persönlicher Situation kann eine Ausschüttung nach Steuern deshalb schlechter abschneiden als einbehaltene Gewinne.
Dividendenaktien bleiben interessant, aber aus anderem Grund
Dividendenaktien bleiben interessant, nur nicht als "kostenloses Zusatzeinkommen".
Unternehmen, die regelmäßig hohe Dividenden zahlen, sind tendenziell in reiferen, etablierten Branchen aktiv, etwa Konsumgüter, Energie oder Telekommunikation. Sie erzielen oft moderate, aber relativ verlässliche Gewinne und müssen seltener jeden Euro in schnelles Wachstum stecken. Das kann sich in einer stabileren Kursentwicklung zeigen, verglichen mit jungen, schnell wachsenden Unternehmen aus Technologie oder Biotechnologie. Die reinvestieren ihre Gewinne meist vollständig oder verdienen noch nichts Nennenswertes.
Wer gezielt Dividendenaktien kauft, setzt damit implizit auf defensivere, etablierte Unternehmen. Der Preis dafür sind tendenziell geringere Wachstumschancen als bei aggressiver wachsenden Firmen.
Dividenden-ETFs schlagen einen Welt-Index nicht automatisch
Ein reiner Fokus auf hohe Ausschüttungen führt nicht automatisch zu einer besseren Gesamtrendite als ein breit gestreuter Welt-Index. Dividenden-ETFs wählen aus einem Aktienuniversum die Titel mit der höchsten Dividendenrendite aus oder nach zusätzlichen Qualitätskriterien. Das klingt nach der besseren Wahl für alle, die Stabilität suchen. Oft ist eher das Gegenteil der Fall, weil besonders wachstumsstarke Unternehmen mit geringen oder keinen Ausschüttungen in einem reinen Dividendenindex meist untergewichtet sind oder ganz fehlen.
Dividenden-ETFs sind trotzdem nicht automatisch die schlechtere Wahl. Wer einen kauft, sollte wissen, was er bekommt: eine Ausrichtung auf defensivere, etabliertere Unternehmen und regelmäßige, greifbare Auszahlungen. Einen risikoärmeren Weg zu einer höheren Gesamtrendite bekommt er damit nicht.
Eine Dividende ist eine Zahlung, kein Geschenk
Eine Dividende ändert, wie dich deine Rendite erreicht: als regelmäßige Auszahlung statt als reiner Kursgewinn. Wie viel du vor Steuern und Kosten insgesamt verdienst, ändert sie grundsätzlich nicht. Wer das weiß, kann sich bewusst für oder gegen Dividendenaktien entscheiden, etwa als Ausrichtung auf bestimmte, meist defensivere Branchen. Ein sicheres Zusatzeinkommen ist sie nicht.
Positionsgröße zählt auch bei Dividendenstrategien
Ob du auf Dividenden-ETFs oder auf wachstumsorientierte ETFs setzt: Wie groß eine einzelne Position in deinem Portfolio sein sollte, hängt von deinem persönlichen Risikobudget ab, nicht von der Ausschüttungspolitik des Produkts. Nächster Schritt: Rechne mit dem kostenlosen Positionsgrößen-Rechner von Axiomly durch, was dein Risikobudget für eine einzelne Position bedeutet.